
Worum es geht
„KI“ steht inzwischen auf fast jeder Produktseite. Bei Unterwasserdrohnen meint das meistens Bilderkennung: Ein kleines Rechenmodell schaut sich das Kamerabild an und erkennt darin Dinge – einen Taucher, einen Fisch, eine Schweißnaht. Dazu kommen schlaue Sensoren, die der Drohne helfen, an Ort und Stelle zu bleiben. Wir sortieren das in fünf Bereiche.
1. Bilder verstehen: Objekte erkennen und verfolgen
So funktioniert's: Das Kamerabild wird viele Male pro Sekunde von einem trainierten Modell untersucht. Das Modell hat vorher tausende Beispielbilder gesehen und gelernt, wie etwa ein Taucher aussieht. Erkennt es ihn, gibt es der Steuerung die Position im Bild weiter – und die Motoren korrigieren so, dass das Objekt in der Mitte bleibt.
- QYSEA AI Vision Lock: Du tippst in der App auf ein Objekt, die Drohne hält es im Bild. Bewegungssensoren (Beschleunigung und Drehung) berechnen dabei die eigene Bewegung mit und gleichen Drift aus.
- QYSEA AI Diver Tracking: Erkennt Taucher und folgt einem von der Seite, von hinten, oben oder unten – oder hält eine ganze Gruppe im Bild.
- Blueye X7 und X3 Ultra: Ein eingebauter Mini-Computer (Nvidia Jetson Orin NX) erkennt Objekte direkt an Bord, verfolgt ein einzelnes Objekt und hilft, Kollisionen zu vermeiden.
- CanFish CF1 (CHASING): Die App meldet sich, sobald Fische im Bild auftauchen – praktisch beim Angeln.

2. Bilder verbessern: Trübung und Farbstich
Unter Wasser schlucken Schwebeteilchen und das Wasser selbst Licht und Farbe. Filter rechnen das teilweise heraus: Der Plankton-Filter der QYSEA E-GO und der Trübungsfilter der neuen Blueye-Modelle entfernen störende Partikel, die einfache TrueColor-Korrektur der CHASING Dory holt Rottöne zurück. Mehr dazu in unserem Praxisartikel Farben unter Wasser.

3. Position halten: Sensoren statt Daumen
Streng genommen ist das weniger KI als kluge Sensorik – fühlt sich aber genauso „intelligent“ an. Die einfachste Stufe ist die Tiefenhaltung über den Drucksensor, die fast jede Drohne kann. Die Profi-Stufe heißt DVL (Doppler Velocity Log): Ein Sonar misst, wie schnell sich die Drohne über dem Grund bewegt. Daraus berechnet sie Richtung und Stärke der Strömung und drückt mit den Motoren dagegen.
- CHASING X mit „AnchorX“: hält laut Hersteller gegen bis zu 4,5 Knoten Strömung.
- QYSEA E-MASTER: schwebt per DVL bei über 3 Knoten Strömung, mit Hinderniserkennung und Rückkehr per Knopfdruck.
- QYSEA X1: nutzt gleich zwei DVL – mehr dazu in unserer News zur X1.
- CHASING Distance Lock Sonar (Zubehör): misst den Abstand nach vorne, zur Seite und nach unten und hält zum Beispiel einen festen Abstand zu Netzen oder Pfeilern.

4. Karten bauen: Sonar-SLAM
SLAM heißt „gleichzeitig kartieren und orten“. Ein 3D-Sonar tastet die Umgebung ab, ein Rechner baut daraus eine Punktwolke – also eine 3D-Karte – und weiß dabei ständig, wo sich die Drohne darin befindet. Das funktioniert sogar bei null Sicht. Neu im Einsatz bei der Deep Trekker SPECTRA.


5. Messen: Längen und Flächen aus dem Bild
Das System QY-MT von QYSEA wertet das 4K-Bild aus und misst Längen, Winkel, Flächen und Krümmungen unter Wasser. Die SPECTRA schafft mit ihrer Stereokamera ähnliche Messungen ohne Referenzmarken. Für das Hobby noch Zukunftsmusik, für Inspektionen schon Alltag.



Wer nutzt was? Die Übersicht
| Objekt verfolgen | QYSEA FIFISH (Vision Lock), Blueye X7 / X3 Ultra |
|---|---|
| Taucher verfolgen | QYSEA FIFISH (Diver Tracking) |
| Fische erkennen | CanFish CF1 von CHASING |
| Bildfilter | QYSEA E-GO, Blueye X7 / X3 Ultra, CHASING Dory (TrueColor) |
| Strömung halten mit DVL | QYSEA X1 und E-MASTER, CHASING X |
| Kollisionen vermeiden | Blueye X3 Ultra, QYSEA E-MASTER, CHASING Distance Lock Sonar |
| 3D-Karte per Sonar | Deep Trekker SPECTRA |
| Messen im Bild | QYSEA QY-MT, Deep Trekker SPECTRA |
Fazit
Für Hobbypiloten ist die wichtigste KI-Funktion heute das Objekt-Tracking à la Vision Lock: Es macht ruhige Aufnahmen viel leichter. Echte Strömungsstabilität per DVL und Sonar-Karten gibt es bisher nur bei Profi-Geräten – aber erfahrungsgemäß wandert solche Technik nach ein paar Jahren in günstigere Modelle.
Lass dich von „KI“ auf der Verpackung nicht blenden. Frag dich: Hilft mir die Funktion bei meinem Einsatz? Für ruhige Filmaufnahmen am See zählt Objekt-Tracking, im Meer mit Strömung eine gute Positionshaltung.
Ist etwas Wichtiges versunken, das eine Hobbydrohne nicht mehr bergen kann? Professionelle Bergungseinsätze in Österreich bietet UDRA an.
